Gruppentherapie

GruppentherapieKörperorientierte Psychotherapie in der Gruppe legt besonderen Wert auf das heilende Potential der zwischenmenschlichen Beziehungen unter den Teilnehmenden.
Eine Gruppentherapie findet einmal im Monat an Wochenenden statt und dauert ein oder zwei Jahre. Die Therapeuten greifen die Themen der Gruppendynamik auf und leiten die Teilnehmenden zu Einzel-, Paar-  und Gruppenübungen an. Sie achten dabei auf die Unterstützung der Einzelnen und fördern die tragende Entwicklung der Gruppe. Durch die Dauer der Gruppe entstehen zunehmend Stabilität und Sicherheit im Miteinander, die es ermöglichen, alte Verhaltensmuster klarer zu erkennen, zu wandeln und neue Möglichkeiten im Umgang mit anderen zu erfahren. Wesentliches Ziel ist die Förderung von Bindungs- und Autonomiefähigkeit und mehr Zufriedenheit im Leben.

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Gruppentherapie allgemein

Alle Menschen haben „Gruppenerfahrung“ und gehören im Laufe ihres Lebens unterschiedlichen Gruppen an, von denen sie auch  Bestätigung dieser Gruppenzugehörigkeit erwarten. Die Erfahrungen beginnen bereits in der Familie, werden dann  im Kindergarten/ Vorschule, in Schulklassen-Gemeinschaften, der Nachbarschaft, in Berufsausbildung und Studium, bei den Kollegen im Arbeitsfeld, und darüber hinaus mit einer möglichen Zugehörigkeit zu politischen Parteien, dem Sportverein fortgesetzt. Die Bindungen, die der Einzelne an seine Gruppen hat, prägen  das Bild, das andere sich von ihm machen, sie prägen aber auch das Bild, das er selbst im Umgang mit diesen anderen von sich entwickelt: „.... ich war immer ein guter oder beliebter Schüler,… ich war immer der Clown, oder ….ich war eher ein Außenseiter..“

Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe kann Sicherheit vor konkreten Gefahren bieten, die gemeinsam besser als allein durch gestanden werden, z.B. in der Familie durch den familiären Rückhalt. Sie hat prägenden Charakter durch gute als auch weniger gute Erfahrungen. Gruppen können auch ein intensives Gemeinsamkeitserlebnis vermitteln wie z.B. bei Sportveranstaltungen und in Konzerten.  

 

Beginn moderner Gruppenpsychotherapie 

Die besonderen Eigenschaften von Gruppen wurden deshalb auch bereits früh in der stationären Krankenbehandlung genutzt. In Deutschland war das erste gruppentherapeutische Verfahren das Autogene Training. In den 70er Jahren nahm das Interesse insbesondere an freier Gruppentherapie erheblich zu. Selbsterfahrungsgruppen wurden als Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung aufgesucht. Eine gleichzeitig rege Forschung bestätigte die gute Wirksamkeit vieler Formen von Gruppenpsychotherapie. 

Dies führte neben anderen Faktoren zum verstärkten Einsatz der Gruppenpsychotherapie im Bereich der Psychotherapie und Psychosomatik.  Es entwickelten sich verschiedene Gruppentherapieverfahren, die sich -  je nach Therapieschule - in ihren theoretischen Konzepten und ihrer Behandlungspraxis deutlich unterschieden. Gruppen- und Einzeltherapien sind die wichtigsten Angebote aller Formen von Psychotherapie. Gegenüber Einzelbehandlungen haben Gruppentherapien jedoch - schulenübergreifend - eine Reihe von Besonderheiten: 

Hoffnung erkennen

Ein Patient, der zum ersten Mal in die Gruppentherapie kommt, findet dort andere Mitpatienten und kann deren Entwicklung und eingetretene positive Veränderungen durch die Therapie miterleben. Wenn der Punkt erreicht ist, dass er denkt: „so etwas könnte mir auch helfen“, hat sich der Patient bereits auf den Weg gemacht. 

Allgemeingültigkeit  des Leidens

Patienten, die Hilfe brauchen, fühlen sich mit ihren seelischen Störungen von ihrer Umwelt zu Hause in zunehmendem Masse unverstanden und haben sich oft schon längere Zeit von ihr zurückgezogen. Dies lässt sie immer mehr innerlich vereinsamen und zu Einzelgängern werden. Sie fühlen sich in ihrem Elend, ihrem Leiden und ihrer seelischen und körperlichen Not ganz allein und denken, dass ihnen keiner mehr helfen kann. 

Wenn sie erkennen, dass in der Gruppe auch die anderen ähnliche Probleme, Schwierigkeiten oder körperlichen Störungen haben, können sie ihre Einstellung korrigieren. Diese Erkenntnis hat eine gute unterstützende Wirkung und die Teilnehmer trauen sich immer mehr, auch schwierige Themen anzusprechen. 

Information

Wichtig ist die Information über seelische Gesundheit und Krankheit, über seelische Störungen, über den Gruppenablauf und die wichtigsten Gruppenregeln, z.B. nicht allgemein von sich als „man“ zu sprechen, sondern von sich selbst als „ich“. Auch Befürchtungen der Patienten müssen angesprochen werden, die Angst vor möglichen Streitereien und Verletzungen durch andere Gruppenmitglieder. Ebenso über die Schweigeregel, die für alle verbindlich sein muss, sie ist die wichtigste Gruppenregel. Das Vertrauen in die Verschwiegenheit der einzelnen Mitglieder ist eines der wichtigsten Basiselemente und Voraussetzung jeder Gruppentherapie. 

Nächstenliebe oder gegenseitige Unterstützung

In Therapiegruppen empfangen Patienten etwas, indem sie etwas geben. So können sich Patienten gegenseitig im gruppentherapeutischen Prozess helfen, sie hören zu, stützen sich, trösten einander, ermutigen zur Arbeit und teilen einander mit, wenn sie ähnliche Probleme haben. Die neue Erfahrung, dass sie für die anderen wichtig sein können, hebt ihr Selbstgefühl und ihre Selbstachtung.  

Erfahrungen der Primärfamilie

Viele haben in ihrer ersten und wichtigsten Gruppe, nämlich ihrer eigenen Ursprungsfamilie,  unbefriedigende Erfahrungen gemacht. In einer Gruppe verhalten wir uns oft ähnlich, wie wir es auch in anderen Gruppierungen, in der Primärfamilie, in der Schulklasse, der jetzigen Partnerschaft oder im Betrieb praktizieren. Diese „alten“ Verhaltensweisen können wir mit den Gruppenmitgliedern erkennen und bearbeiten und hierbei auch korrigierende Erfahrungen machen. 

Verhaltensweisen im mitmenschlichen Umgang

Einer der wichtigsten Lernfaktoren, die es in der Gruppenpsychotherapie gibt, ist das, was wir unter dem Begriff „soziales Lernen“ zusammenfassen. Die Patienten erfahren etwas über sich, über ihre Verhaltens-  und Reaktionsweisen auf Verletzung und Kränkung. Aus den Rückmeldungen der Gruppenmitglieder können sie erfahren, was sie durch ihre Verhaltensweisen auch in der Familie, am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis auslösen. 

Nachahmendes Verhalten

In der Gruppe können Verhaltensweisen ausprobiert werden, die man bei Mitpatienten sieht. Die Patienten können für sich prüfen, was sie davon übernehmen wollen und was für sie nicht stimmig ist. Beispielsweise wenn man miterlebt, wie ein Gruppenmitglied sich gut abgrenzen kann und man dies auch selbst erproben möchte. 

Zwischenmenschliches Lernen

Der wohl wichtigste Punkt bei diesem zwischenmenschlichen Lernprozess ist die Erfahrung, dass das, was die Patienten im Gruppenfeld erleben können, weit über die Möglichkeiten der Einzeltherapie hinausgeht. Die überall zu beobachtende Auflösung von Klein- oder Großgruppen (Familie, Hausgemeinschaft, Verein etc.) ist ein Zeichen für unsere zunehmende Isolation. Dabei ist der Wunsch nach Beziehung für die meisten Menschen  intensiv und elementar. Eine der größten Ängste ist die Angst vor Einsamkeit. 

Emotional korrigierende Erfahrungen

Die Hauptsorge der Teilnehmenden vor einer therapeutischen Arbeit besteht in der Angst, bei negativen Gefühlsäußerungen wie Wut, Ärger, Neid etc. nicht mehr gemocht oder geliebt, sondern verachtet zu werden. Viele meinen, alle liefen weg, wenn sie in der Gruppe ihre ganze Wut beispielsweise auf ihre Eltern ausdrücken würden. Wie anders sind dagegen die Erfahrungen in der Realität der Gruppe: jeder Teilnehmende, der an seinen Problembereichen arbeitet, findet in der Gruppe Interesse, Unterstützung und Respekt, nicht zuletzt wegen der Ehrlichkeit und Offenheit, mit der er sich mit seinen Gefühlen eingebracht hat. Der Teilnehmende macht somit eine neue emotionale Erfahrung, durch die die alten Erinnerungen allmählich ihre Macht verlieren. Wir sprechen von korrigierenden Erfahrungen. Die Teilnehmenden der Gruppe ermutigen sich gegenseitig, sich auf ihre Gefühle, insbesondere Wut, Ärger, aber auch Trauer, Schmerz und Verzweiflung einzulassen. 

Gruppe als sozialer Mikrokosmos

Häufig äußern Teilnehmende zu Beginn über große Schwierigkeiten, vor anderen Menschen zu reden und ihnen ihre Gefühle zu offenbaren. Wenn die Gruppe für eine gewisse Zeit zusammen ist, ändert sich diese Einstellung. Die Teilnehmenden stellen letztlich fest, dass sie wesentliche Lebenserfahrungen miteinander teilen und nach und nach auch ihre Fassade  ablegen können. Viele können bei Abschluss der Therapie sagen: „so offen wie hier in meiner Gruppe bin ich noch nie gewesen. Die Unterstützung meiner Gruppenmitglieder hat das möglich gemacht“.  

Zusammenhalt

Für die Teilnehmenden  ist es wichtig, Menschen in einer Gruppe zu haben, mit denen sie reden können und die sie nicht im Stich lassen, wenn sie sich in der Therapie an ihre schwierigen inneren und äußeren Probleme wagen. Wichtig ist für sie die Gemeinschaft der Gruppe, die gemeinsame Arbeit, das sich gegenseitig Stützen und das Erleben von Nähe, Geborgenheit und Wertschätzung. Sie helfen einander, indem sie in der therapeutischen Gruppenarbeit auch Rollen von Mitpatienten übernehmen.

Der Therapeut und die Gruppe müssen nicht die ganze Arbeit allein tun, sondern sie können auch auf die Selbstheilungskräfte der Gruppe und jedes einzelnen vertrauen. 

 

 

 

 

 

 

Text Gruppentherapie allgemein: B. Landgrebe
Ärztin für Psychotherapie und Psychosomatik, Bad Zwesten